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Dürresommer 2018: Der moderne Sommer 1976 und was er veränderte

Veröffentlicht am 14. April 2026
Von Wettervergleich
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Dürresommer 2018 Hitzewelle Deutschland: Der Sommer 2018 ist der Wendepunkt, an dem Deutschland erkannte, dass der Klimawandel angekommen ist. Von April bis Oktober zog sich eine Dürre, die nicht mehr nur Einzelrekorde aufstellte, sondern flächendeckend ganze Bundesländer in Trockenstress versetzte. Landwirte fuhren Ernteverluste von 30 bis 50 Prozent ein, die Bundesregierung bewilligte Notfallhilfen in Milliardenhöhe. Flussschifffahrt auf dem Rhein und der Elbe kam zeitweise zum Erliegen, weil die Pegel zu niedrig waren. Im September fielen in manchen Regionen weniger als zehn Millimeter Regen über den gesamten Monat.

In Berlin lag die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur im Juli 2018 bei 28,2 Grad Celsius, die Sonnenscheindauer mit 330 Stunden rund 40 Prozent über dem langjährigen Mittel. Die Niederschlagssumme für Juli betrug nur 8 Millimeter, der Normalwert liegt bei rund 60 Millimetern. Das entspricht etwa 13 Prozent des üblichen Niederschlags, ein Rekord-Tiefstwert. Über den gesamten Zeitraum April bis Oktober 2018 fielen in Brandenburg rund 40 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel.

Vergleicht man 2018 mit dem Jahrhundertsommer 1976, sind die Parallelen frappierend. Beide Sommer waren durch persistente Hochdrucklagen geprägt, beide zeigten monatelange Trockenheit, beide hatten ihren Höhepunkt nicht in Einzeltagen sondern in der Dauer. Der Unterschied: 1976 war ein isoliertes Ereignis in einer kühleren Klimaepoche. 2018 war Teil einer Serie. 2019, 2020 und 2022 folgten mit ähnlichen Mustern, wenn auch nicht in derselben Intensität. Aus einem Jahrhundertsommer wurde ein Jahrzehntsommer, aus einem Extrem ein Trend.

Die Folgen für das deutsche Ökosystem waren sichtbar. Mischwälder in Brandenburg und Sachsen verloren bis zu 30 Prozent ihrer Fichten durch Borkenkäferbefall, den die trockenen Bäume nicht mehr abwehren konnten. Flussfische starben in Elbe und Rhein an Sauerstoffmangel bei Wassertemperaturen über 25 Grad. Ein Großteil der deutschen Landwirtschaftsflächen zeigte 2019 und 2020 noch Bodenfeuchtedefizite, die direkt auf 2018 zurückgingen. Dürre ist kein Wetterereignis, sondern ein Systemereignis, mit Folgen, die Jahre überdauern.

Meteorologisch war 2018 klassisch. Ein stabiles Azorenhoch verlagerte sich ungewöhnlich weit nach Norden und blockierte atlantische Tiefs über Wochen. Nordeuropa und Mitteleuropa erlebten einen subtropisch anmutenden Sommer, während die Britischen Inseln ebenfalls Hitzerekorde meldeten. Die Jetstream-Schwäche, die solche Blockaden begünstigt, wird in vielen Klimamodellen als Folge der schnelleren arktischen Erwärmung beschrieben, bei der sich der Temperaturgradient zwischen Pol und Äquator abschwächt und die westlichen Winde dadurch mäandern statt stetig zu wehen.

Der Vergleich unten zeigt Berlin im Juli 2018 gegenüber dem Juli 2025. Die Temperatur- und Sonnenscheinwerte sind vergleichbar, ein Hinweis darauf, dass das, was 2018 als Extrem erschien, 2025 fast schon im Rahmen liegt. Unsere Extremwetter-Serie dokumentiert auch Sommer 1976 (/de/blog/sommer-1976-wetterdaten) und Sommer 2003 (/de/blog/jahrhundertsommer-2003-hitzewelle) für den historischen Kontext. Für eigene Berlin-Vergleiche siehe /de/vergleich/berlin, für München /de/vergleich/muenchen.

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