Sommer 2003 Hitzewelle Deutschland: Der August 2003 bleibt bis heute das meteorologische Ereignis, an dem sich alle späteren Hitzesommer in Europa messen lassen müssen. Zwischen dem 1. und 15. August kletterte das Thermometer in Frankfurt an mehreren Tagen über 38 Grad Celsius. Die Nächte brachten kaum Abkühlung, viele Innenstädte blieben auch um drei Uhr morgens bei über 22 Grad. Europaweit starben nach späteren Schätzungen mehr als 70.000 Menschen an den Folgen dieser Hitzewelle, allein in Frankreich rund 15.000. In Deutschland waren es mehrere tausend.
Was den Sommer 2003 von anderen Hitzephasen unterscheidet, ist seine Kombination aus Intensität und Dauer. Schon der Juni brachte ungewöhnliche Wärme, im Juli setzte sich der Trend fort, und erst Ende August brach das Hochdruckgebiet zusammen. In Frankfurt lagen die durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen für August 2003 bei rund 30 Grad, fast sieben Grad über dem damaligen Referenzmittel von 1961 bis 1990. Die Sonnenscheindauer übertraf den Normalwert um mehr als ein Drittel.
Die Ursache war eine stabile Hochdruckbrücke, die heiße Luft aus der Sahara bis nach Mitteleuropa lenkte. Verstärkend wirkte die extreme Trockenheit des Frühjahrs. Ausgetrocknete Böden können keine Verdunstungskühlung mehr leisten, sodass jeder weitere Sonnentag die Temperatur zusätzlich anheizte. Diese Bodenfeuchte-Atmosphäre-Rückkopplung ist einer der Gründe, warum Dürresommer so hartnäckig werden, sie verstärken sich selbst.
Verglichen mit dem Sommer 1976, dem anderen deutschen Jahrhundertsommer, war 2003 in der Spitze heißer, 1976 dauerte länger. 2003 brach absolute Temperaturrekorde, 1976 prägte durch monatelange Trockenheit. Beide Jahre sind Referenzpunkte der deutschen Klimageschichte, und beide zeigen, was in Mitteleuropa meteorologisch möglich ist, lange bevor der Begriff Klimawandel Schlagzeilen machte.
Seit 2003 hat sich das Normale verschoben. Sommer mit 35-Grad-Spitzen sind in deutschen Großstädten keine Seltenheit mehr. Das Referenzmittel von 1991 bis 2020 liegt bereits deutlich über dem von 1961 bis 1990. Was 2003 als Extremereignis galt, rückt näher an den oberen Rand des Normalen. Das macht 2003 zu einem besonders lehrreichen Vergleichsjahr: Es zeigt, wohin sich der Durchschnitt über die kommenden Jahrzehnte bewegen könnte.
Der embedded-Vergleich unten stellt Frankfurt im August 2003 einem August in der jüngeren Vergangenheit gegenüber. Über Open-Meteo reichen die Daten bis 1940 zurück, sodass auch Leipzig, Berlin, München oder jede andere Stadt für denselben Zeitraum abgerufen werden können. Für den direkten Bezug zu unserem Frankfurt-Profil siehe /de/vergleich/frankfurt, dort sind zusätzliche historische Perioden vorbereitet.