Winter 1978 1979 Schneekatastrophe: Silvester 1978 begann in Hamburg bei plus zehn Grad und Regen. Zwölf Stunden später lag die Temperatur bei minus 15 Grad und ein Orkan aus Nordost drückte Schneemassen über Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und den gesamten Ostseeraum. Was folgte, ging als Schneekatastrophe in die deutsche Wettergeschichte ein. Dörfer wurden tagelang von der Außenwelt abgeschnitten, Autobahnen verschwanden unter Schneewehen von mehreren Metern, die Bundeswehr rückte mit Bergepanzern aus. Eingeschlossen waren Zehntausende, 17 Menschen starben.
Das Besondere war die Kombination zweier Ereignisse. Zuerst der rasante Temperatursturz in der Silvesternacht, rund 25 Grad innerhalb eines Tages. Dann der folgende Dauerfrost mit starkem Nordost bis Ostwind, der aus der arktischen Luft über der noch nicht zugefrorenen Ostsee Unmengen von Feuchtigkeit aufnahm und als Schnee an der Küste abregnete. Dieser Effekt, Lake-Effect-Schnee über der Ostsee, tritt selten in dieser Intensität auf. Stationen an der schleswig-holsteinischen Küste meldeten Schneehöhen von über zwei Metern, bei Verwehungen bis zu sechs Metern.
In Hamburg lagen die Tageshöchsttemperaturen in der ersten Januarwoche 1979 durchgehend bei minus zehn bis minus zwölf Grad, die Tiefstwerte bei minus 18. Für eine norddeutsche Küstenstadt sind das historische Extremwerte, normalerweise dämpft die Nordsee solche Kälteeinbrüche. Der Wind machte das Ereignis lebensbedrohlich, Windchill-Werte lagen deutlich unter minus 25 Grad. Mitte Februar kam noch ein zweiter Kälteeinbruch mit erneuten Schneefällen, bevor sich im März allmählich Tauwetter durchsetzte.
Vergleicht man den Winter 1978/79 mit modernen Wintern, wird der Unterschied sofort sichtbar. Hamburg hat in den vergangenen zehn Jahren keinen Winter mehr mit durchgehendem Dauerfrost über mehrere Wochen erlebt. Selbst kalte Winter wie 2010 oder 2021 blieben weit hinter den Extremwerten von 1979 zurück. Das ist Klima-Realität: Extremkälte dieser Größenordnung ist seltener geworden, auch wenn einzelne Kälteeinbrüche immer noch möglich sind.
Das Ereignis von 1978/79 war kein reiner Kältewinter, sondern eine Verkettung von günstigen, beziehungsweise ungünstigen, synoptischen Bedingungen. Eine blockierende Antizyklone über Skandinavien, eine aktive Ostsee als Feuchtigkeitsquelle und ein plötzlicher Wechsel von maritimen zu kontinentalen Luftmassen. Solche Konstellationen sind auch in wärmeren Klimaten möglich, sie werden nur seltener und treten unter veränderten Randbedingungen auf.
Der Vergleich unten zeigt Hamburg im Dezember 1978 bis Februar 1979 gegenüber derselben Periode 2025/26. Open-Meteo-Daten reichen bis 1940 zurück, damit lassen sich auch Rostock, Bremen oder jede andere Küstenstadt direkt gegen 1979 stellen. Die Stadtseite /de/vergleich/hamburg bietet vorbereitete Zeiträume für weitere historische Wintervergleiche.